• Link zu Facebook
  • Link zu LinkedIn
  • Link zu Rss dieser Seite
  • Link zu Mail
  • kontakt
worthauerei: beratung, konzept und text für die unternehmenskommunikation
worthauerei
  • corporate publishing
  • web, werbung & pr
  • content marketing für kmu
  • annette lindstädt
  • referenzen
  • blog
  • Menü Menü

cave canem

24. Oktober 2011/in glossen & kolumnen, viecher/von annette lindstädt

Zum Los eines Schriftstellers bemerkte treffend der Schweizer Aphoristiker Walter Ludin: „Er schreibt immer nur für die Katz und kommt dabei auf den Hund.“

Recht hat er zumindest mit dem zweiten Teil, denn auf den Hund gekommen sind diverse Literaten. Die Reihe der schreibenden Hundefreunde fängt lange vor Thomas Mann oder Friedrich Dürrenmatt an und hört bei Günther Grass oder Ernst Jandl noch lange nicht auf. Quer durch die Genres und Epochen zieht sich des Schreiberlings Hundeliebe. Schauen wir doch mal, welche verschiedenen Funktionen Canis lupus familiaris in des Künstlers Umfeld wahrnimmt:

Existenzberechtiger

Erstaunlich, wie sehr so mancher in der illustren Runde der Hundebegeisterten die eigene Existenz – und nicht nur die! – vom fellnasigen Familienmitglied abhängig macht. Von Heinz Rühmann ist überliefert: „Man kann auch ohne Hund leben. Aber es lohnt sich nicht.“ Carl Zuckmayer behauptete: „Ein Leben ohne Hund ist ein Irrtum.“ Franz Kafka, thematisch keinesfalls nur mit Insekten befasst, formulierte es philosophischer: „Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten sind im Hund enthalten.“ Vielleicht hatte er seinen Plato gelesen, denn bereits der hatte erkannt: „Ein Hund hat die Seele eines Philosophen.“ Und Vicco von Bülow, bekannter als Loriot, der Mopsverehrer, sagte: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ Konsequent benannte er denn auch seine Biographie „Von Möpsen und Menschen“. Wobei umstritten ist, ob die stupsnasigen Ringelrutenträger mit dem faltigen Gesicht ohne Abstriche zu den Caniden gehören. Denn, so schreibt Loriot weiter: „Möpse sind mit Hunden nicht zu vergleichen. Sie vereinigen die Vorzüge von Kindern, Katzen, Fröschen und Mäusen.“ Was nun wiederum diese Vorzüge verglichen mit denen eines ganz profanen, nicht-mopsigen Hundes sein sollen, übersteigt meine Vorstellungskraft.

Misanthropenvehikel

Bei vielen der schreibenden oder anderswie zu Berühmtheit gelangten Hundefreunde führt die Liebe zu Bello nachgerade zur Menschenverachtung. So bekannte schon Franz von Assisi: „Dass mir der Hund das Liebste sei, sagst du o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“ Armer Franz. Und Friedrich der Große stellte ernüchtert fest: „Je mehr ich von den Menschen sehe, umso lieber habe ich meinen Hund.“ Diese Auffassung teilen viele, so scheint es. Denker wie Arthur Schopenhauer oder Christian Friedrich Hebbel suhlten sich in miesepetriger Ablehnung des Menschen und Vergötterung des Hundes (Hebbel: „Wundern muss ich mich sehr, dass Hunde die Menschen so lieben; denn ein erbärmlicher Schuft gegen den Hund ist der Mensch“). Beim Ausflug in die Politik lernen wir: „Wenn du in Washington einen Freund haben willst, musst du dir einen Hund zulegen“ – so Harry Spencer Truman, der 33. Präsident der USA. Damit wäre auch geklärt, warum Bush, Clinton, Obama und Co. alle spätestens mit dem Einzug ins Weiße Haus auf den Hund gekommen sind. Und der englischen Königin scheint es ja ähnlich zu gehen.

Literarischer Wuff

Doch kommen wir endlich zur Haupttätigkeit des Schreibenden: dem Fabulieren. Denn auch als literarisches Thema findet der befellte Vierbeiner seinen Platz. Eines der berühmtesten Exemplare ist sicher der Jagdhundmischling Bauschan aus Thomas Manns „Herr und Hund“. Dieses Büchlein eignet sich übrigens hervorragend dafür, Zeitgenossen eines Besseren zu belehren, die Hunde lediglich für würdige Begleiter unterer Schichten halten. Denn Thomas Mann ist schließlich über jeden Niveau-Zweifel erhaben. Das moderne Gegenstück ist „ottos mops“ aus dem gleichnamigen Gedicht von Ernst Jandl (da ist er wieder, der Mops. Was die nur immer alle an dem finden?). Hier wird der Hund – entgegen Tucholskys Aussage „Die Katze ist ein freier Mitarbeiter, der Hund ein Angestellter“ durchaus als Geschöpf mit anarchischem Potenzial dargestellt. Er trotzt, hopst fort, kommt (aber nur, um in Sicherheit zu wiegen) und schließlich: kotzt. So sindse, die Viecher. Sie tun so, als seien sie stets loyale Hausgenossen, aber am Ende machen sie doch, was sie wollen. Oder Flecken auf den Teppich.

Muse?

Woher kommt sie also, die Vorliebe der schreibenden Zunft zum Hund? Trägt der bellende Vierbeiner zum kreativen Prozess bei? Kreation durch die Kreatur, ist das vielleicht das Geheimnis? Inspiriert uns die Fellnase unterm Schreibtisch einfach qua Existenz? Weil sie so kreatürlich-verschnarcht unter selbigem für eine entspannt-schöpferische Atmosphäre sorgt? Oder ist es ganz profan ihre Angewohnheit, den schreibenden Stubenhocker von Zeit zu Zeit aus der miefigen Kammer zu locken? Um selbigem das Hirn zu lüften und so Raum zu schaffen für Neues? Fördert somit der Gassigang auch das geistige Entleeren? Oder bringt das oft verspielte Wesen des vierbeinigen Hausgenossen die Seele wieder in eine kindliche Gemütsverfassung? Die als Jungbrunnen für die Phantasie dient und ihr gehörigen Schub gibt? Vielleicht ist es die Mischung aus alledem – es sind jedenfalls genügend Gründe dafür, dass so viele Tintenkleckser sich hündischer Begleitung erfreuen.

Fußwärmer und Kopflüfter

Die moderne Auftragsschreiberin sieht es pragmatisch: Ihr Hund wärmt ihr die Füße und bringt sie zum Lachen. Er treibt sie ans Tageslicht, das sie ohne ihn tagelang nicht sehen würde. Das Geklapper ihrer Tastatur macht ihn angenehm schläfrig, und sein ruhiges Schnorcheln wiederum beruhigt ihre Sinne. Das Beste jedoch ist, dass er sie nicht kritisiert. Und einen Verriss gibt es nur auf Aufforderung: Wenn sie ihm erlaubt, einen missratenen Textentwurf zu schreddern.

 

Diese Glosse erschien ursprünglich in Nessa Alturas Autorenexpress – sozusagen als Urlaubsvertretung, als Nessa auf Reisen war. Da sie ihre Dienstagsglossen derzeit auf Eis gelegt hat, erscheint sie nun hier.
The following two tabs change content below.
  • Bio
  • Neueste Artikel
Mein Twitter-ProfilMein Facebook-ProfilMein Google+-ProfilMy LinkedIn profile

annette lindstädt

Texterin, Redakteurin, Bloggerin. Liefert Konzept, Text und Redaktion für Web, Werbung und Corporate Publishing. Bloggt hier übers Leben und Texten und dort übers Reisen: rumreiserei
Mein Twitter-ProfilMein Facebook-ProfilMein Google+-ProfilMy LinkedIn profile

Neueste Artikel von annette lindstädt (alle ansehen)

  • salamitaktik - 10. Dezember 2018
  • #ausstieg kreativ – warum ich wissen will, wie kreative ihre berufliche restlaufzeit planen - 12. November 2018
  • workshops in heidelberg: einführung social media und texten fürs web - 10. Juni 2018
Schlagworte: hund, texten
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Teilen auf LinkedIn
https://worthauerei.de/wp-content/uploads/2013/11/cave_canem.jpg 297 400 annette lindstädt https://worthauerei.de/wp-content/uploads/2013/04/worthauerei-rgb_gr.png annette lindstädt2011-10-24 16:29:452013-12-05 23:28:57cave canem

themen

arbeit ausstieg ausstiegsplanung beruf bloggen blogger schenken lesefreude blogparade blogwichteln briefing carla wagener corporate publishing doof! familie freestyle freiberufler freizeit heidelberg home-office hund kommunikation kreativtechnik kundenmagazin literatur lustig! musik natur netzwerken netzwerk texttreff niederländisch planung reisen rezension schreibcoaching selbstmanagement silvester social media sprache success story texten unternehmenskommunikation verlosung webtext weiterbildung werbetext workshop

kategorien

abgelegt

das gibt’s bei der worthauerei

  • corporate publishing
  • web, werbung & pr
  • content marketing für kmu

kategorien im blog

  • Allgemein
  • arbeitsproben
  • corporate publishing
  • dies&das
  • fundstücke
  • glossen & kolumnen
  • kleine leute
  • netzwelt
  • privat
  • selbst&ständig
  • texthandwerk
  • unternehmenskommunikation
  • viecher

impressum & datenschutz

impressum
datenschutz

kontakt

worthauerei
konzept | text | redaktion
annette lindstädt
mail an die worthauerei

© copyright worthauerei - powered by Enfold WordPress Theme
  • corporate publishing
  • web, werbung & pr
  • content marketing für kmu
Link to: erkenntnis des tages Link to: erkenntnis des tages erkenntnis des tages Link to: es grünt so grün Link to: es grünt so grün es grünt so grün
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

OKWeitere Informationen

Cookie- und Datenschutzeinstellungen



Wie wir Cookies verwenden

Wir können Cookies anfordern, die auf Ihrem Gerät eingestellt werden. Wir verwenden Cookies, um uns mitzuteilen, wenn Sie unsere Websites besuchen, wie Sie mit uns interagieren, Ihre Nutzererfahrung verbessern und Ihre Beziehung zu unserer Website anpassen.

Klicken Sie auf die verschiedenen Kategorienüberschriften, um mehr zu erfahren. Sie können auch einige Ihrer Einstellungen ändern. Beachten Sie, dass das Blockieren einiger Arten von Cookies Auswirkungen auf Ihre Erfahrung auf unseren Websites und auf die Dienste haben kann, die wir anbieten können.

Notwendige Website Cookies

Diese Cookies sind unbedingt erforderlich, um Ihnen die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen zur Verfügung zu stellen.

Da diese Cookies für die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen unbedingt erforderlich sind, hat die Ablehnung Auswirkungen auf die Funktionsweise unserer Webseite. Sie können Cookies jederzeit blockieren oder löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen ändern und das Blockieren aller Cookies auf dieser Webseite erzwingen. Sie werden jedoch immer aufgefordert, Cookies zu akzeptieren / abzulehnen, wenn Sie unsere Website erneut besuchen.

Wir respektieren es voll und ganz, wenn Sie Cookies ablehnen möchten. Um zu vermeiden, dass Sie immer wieder nach Cookies gefragt werden, erlauben Sie uns bitte, einen Cookie für Ihre Einstellungen zu speichern. Sie können sich jederzeit abmelden oder andere Cookies zulassen, um unsere Dienste vollumfänglich nutzen zu können. Wenn Sie Cookies ablehnen, werden alle gesetzten Cookies auf unserer Domain entfernt.

Wir stellen Ihnen eine Liste der von Ihrem Computer auf unserer Domain gespeicherten Cookies zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen können wie Ihnen keine Cookies anzeigen, die von anderen Domains gespeichert werden. Diese können Sie in den Sicherheitseinstellungen Ihres Browsers einsehen.

Google Analytics Cookies

Diese Cookies sammeln Informationen, die uns - teilweise zusammengefasst - dabei helfen zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und wie effektiv unsere Marketing-Maßnahmen sind. Auch können wir mit den Erkenntnissen aus diesen Cookies unsere Anwendungen anpassen, um Ihre Nutzererfahrung auf unserer Webseite zu verbessern.

Wenn Sie nicht wollen, dass wir Ihren Besuch auf unserer Seite verfolgen können Sie dies hier in Ihrem Browser blockieren:

Andere externe Dienste

Wir nutzen auch verschiedene externe Dienste wie Google Webfonts, Google Maps und externe Videoanbieter. Da diese Anbieter möglicherweise personenbezogene Daten von Ihnen speichern, können Sie diese hier deaktivieren. Bitte beachten Sie, dass eine Deaktivierung dieser Cookies die Funktionalität und das Aussehen unserer Webseite erheblich beeinträchtigen kann. Die Änderungen werden nach einem Neuladen der Seite wirksam.

Google Webfont Einstellungen:

Google Maps Einstellungen:

Google reCaptcha Einstellungen:

Vimeo und YouTube Einstellungen:

Andere Cookies

Die folgenden Cookies werden ebenfalls gebraucht - Sie können auswählen, ob Sie diesen zustimmen möchten:

Datenschutzrichtlinie

Sie können unsere Cookies und Datenschutzeinstellungen im Detail in unseren Datenschutzrichtlinie nachlesen.

datenschutz
Zum Ändern Ihrer Datenschutzeinstellung, z.B. Erteilung oder Widerruf von Einwilligungen, klicken Sie hier: Einstellungen